Kirchhofareal: Markthalle oder Repair-Café?

Vorstandsmitglied Sabine Brinitzer und Stadtplaner Marcel Angele führten 21 Mitglieder des Museumsvereins durch die anregende Ausstellung «Zukunft Kirchhofareal» im Kammgarn-Westflügel.

Der Gebäudebestand des Kirchhofareals ist zum Teil sanierungsbedürftig, doch nur ein einziges Gebäude wird als nicht schützenswert eingestuft. Liegenschaften des ehemaligen Werkhofs stehen leer, bei den Aussenräumen besteht Aufwertungspotenzial, und für viele ist das Kirchhofareal einfach ein grosser Parkplatz. Immerhin hat die Stadt Schaffhausen im Juni 2017 mit dem Familienzentrum eine viel beachtete Aufwertung realisiert und angedeutet, was in Zukunft alles möglich sein kann. Konkret liegt das Kirchhofareal in der Planungsschublade allerdings nicht ganz oben. – Mit anderen Worten: Das Kirchhofareal bildet für Studierende eines Masterstudiengangs «Gebäudelehre und Entwerfen» die ideale Grundlage, um anhand einer realen Situation planerische Zukunftsvisionen zu entwickeln – und dies ohne einschränkende Rahmenbedingungen rechtlicher, gestalterischer, nutzungsspezifischer, verkehrstechnischer oder finanzieller Art.

Besagter Masterstudienlehrgang fand an der Technischen Universität Kaiserslautern statt, dank Sabine Brinitzer, die dort als Privatdozentin am Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur wirkt. Die neun interessantesten von insgesamt 20 Arbeiten sind im Kammgarn-Westflügel ausgestellt worden. Sie zeigen, was man wollen soll und was nicht. So hat beispielsweise Sandra Brand die Idee «Wohnen am Werkhof» entwickelt und dort sogenannte Repair-Cafés eingerichtet, Treffpunkte, an denen man Alltagsgegenstände unter fachkundiger Anleitung selbst reparieren kann. Werkzeug, Material und Personen vom Fach sind vor Ort, und wenn man nichts zu reparieren hat, dann gibt es trotzdem Kaffee und Kuchen. Diese Idee macht derzeit international die Runde, und man erinnert sich daran, dass im Familienzentrum auch schon eine Reparierbar eingerichtet worden ist. Aber warum nicht daraus eine permanente Einrichtung machen – als Symbol der erforderlichen Abkehr von der Wegwerfmentalität?

Klar wurde jedenfalls, dass die Studierenden grossen Wert auf Nachhaltigkeit legen. So weist etwa die von Yeliz Hürlü vorgeschlagene neue, tief gehaltene Markthalle – gedacht nicht etwa als Ersatz, sondern als Ergänzung zum Puuremärt und zur Entlastung der Vordergasse – eine Photovoltaik-Dach auf, die wie Stadtplaner Marcel Angele betonte, durchaus prüfenswert wäre. Zudem wurden in mehreren Arbeiten zahlreiche Bäume auf dem Kirchhofareal gesetzt, weit mehr, als man wird realisieren können. Einige Bäume aber würden dem Stadtbild wohl nicht schaden. (schi)